Der Weg von Hannah Lobe zum Geigenbau verlief nicht in geraden Linien – doch genau diese Umwege schenkten ihr den Weitblick, der ihre heutige Arbeit auszeichnet.
Nach ihrem Abschluss 2012 führte sie ihr Weg zunächst durch die kaufmännische Welt. Es war eine Zeit des Lernens, doch die wahre Erfüllung wartete an einem vertrauten Ort: in der Werkstatt ihres
Vaters.
Dort, zwischen dem Duft von Fichtenholz und Harz, spürte sie bei einem Praktikum sofort: Hier gehört sie hin. Es war die Geburtsstunde einer tiefen Leidenschaft für
die Verbindung von Handwerk, Kreativität und dem Erschaffen von etwas Bleibendem. 2018 begann sie ihre Ausbildung zur Geigenbauerin, arbeitete ab 2021 als Gesellin im eigenen Gewerbe und krönte
ihren Weg im November 2025 mit dem erfolgreichen Abschluss zur Geigenbaumeisterin.
In ihren Arbeiten lässt Hannah Lobe die ehrwürdige Tradition des Geigenbaus mit einer frischen, feinfühligen Perspektive verschmelzen. Sie trägt die handwerkliche
Philosophie ihres Vaters – geprägt von höchster Qualität und klanglicher Brillanz – voller Achtsamkeit weiter.
Doch in jedem Instrument schlägt auch ihr eigenes Herz: Eine ganz persönliche Handschrift, die sich in liebevoller Detailarbeit und gestalterischem
Fingerspitzengefühl zeigt. Jedes Instrument entsteht in reiner, hingebungsvoller Handarbeit. So wird jede Geige zu einem Unikat, das die Träume und Wünsche der Musikerinnen und Musikern zu
erfüllen sucht.
Ein Schwerpunkt ihres Schaffens ist der Neubau von Violinen, inspiriert von den großen Legenden des italienischen Geigenbaus. Mit tiefem Respekt vor Meistern wie
Stradivari und Guarneri haucht sie deren Formen neues Leben ein. Besonders gerne widmet sie sich Modellen wie:
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Guarneri „King“ oder „Kreisler“
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Stradivari „Hubermann“
Diese Instrumente bestechen durch einen warmen, kraftvollen und tragfähigen Klang, der Solisten eine unendliche Palette an Ausdrucksmöglichkeiten schenkt. Zudem
fertigt Hannah Lobe detailgetreue Kopien historischer Instrumente an, die den Geist und die Ästhetik der Originale in unsere Zeit tragen.
Die Lackierung ist für Hannah Lobe weit mehr als nur ein Schutz für das Holz – sie ist die Seele des Erscheinungsbildes. Mit großer Intuition entwickelt sie für
jedes Instrument individuelle Farbtöne und Oberflächenstrukturen.
Dieses feine Gespür für Nuancen und die Lichtwirkung des Lacks verleiht ihren Geigen eine ganz eigene, fast lebendige Identität. Es ist die Vollendung eines
Kunstwerks, das nicht nur Ohren, sondern auch Augen verzaubert.
Im Mittelpunkt steht für sie die stille Freude am Entstehungsprozess. Aus sorgsam ausgewählten Tonhölzern und mit traditionellen Werkzeugen formt sie Schritt für
Schritt ein Wesen, das später auf den Bühnen der Welt singen soll. Es ist dieser magische Moment, wenn aus rohem Material ein Instrument erwächst, das Musikerinnen und Musiker über Jahrzehnte
hinweg begleiten und inspirieren darf. Das ist es, was das Handwerk von Hannah Lobe so besonders macht.
Ihr Weg war kein Umweg, ihr Pfad war kein Verirren, sondern Ankommen und Finden: Jeder Schritt war Wachstum und Reifunsprozess, jede Entscheidung ein
Wegweiser. Hannah suchte nicht nach einer Tätigkeit zum Broterwerb, sondern nach Berufung und Sinn – und fand ihr Herzensprojekt.
Heute vereint Hannah Lobe meisterliches Können mit einer tiefen Verbundenheit zu Klang und Material. Sie verkörpert eine neue Generation im Geigenbau: Tief
verwurzelt in der Tradition, aber mit dem Mut zu individuellem Ausdruck und einer persönlichen Geschichte, die in jedem Handgriff ihren Ausdruck findet.